Veränderung ist selten einfach. Sie fordert uns heraus, zwingt uns, bekannte Muster zu verlassen, und löst ganz unterschiedliche Reaktionen aus. Doch warum erleben Menschen denselben Veränderungsprozess so verschieden? Und weshalb führen gut gemeinte Botschaften in der Kommunikation manchmal zu Missverständnissen statt zu Klarheit? Zu diesem Thema sprach Miriam Wagner Long mit Alexandra Perl (Stullengold – stullengold | Alexandra Perl | Facilitator, Listening Trainer, Coach) bei den jüngsten Leadership Insights.
Für Alexandra Perl sind die vier unterschiedlichen Zuhörpräferenzen zentral. Denn wie wir Informationen aufnehmen, beeinflusst maßgeblich, wie wir Veränderungen wahrnehmen. Die vier Zuhörmuster sind:
Diese Präferenzen (jeder Mensch hat mehr als nur eine, aber meist unterschiedlich ausgeprägt) sind keine starren Kategorien, sondern hilfreiche Filter. Sie zeigen, wie vielfältig Kommunikation interpretiert werden kann – und weshalb dieselbe Botschaft bei unterschiedlichen Menschen völlig verschiedene Reaktionen auslöst.
Neben den Hörmustern ist auch das „House of Change“ nach Claes Janssen spannend. Dieses Modell beschreibt vier typische Phasen, die Menschen während einer Veränderung durchlaufen:
Interessant wird das Modell in der Verbindung mit den Zuhörpräferenzen: Je nachdem, in welchem „Raum“ sich jemand befindet, spricht ein anderer Kommunikationsstil an. Wenn Führungskräfte diese verschiedenen Ebenen bewusst einbeziehen, lassen sich Unklarheiten, Konflikte oder Ablehnung (besser) vermeiden.
Es ist immer wichtig, die verschiedenen Perspektiven bewusst zu verbinden. Ziel ist es, Kommunikation so zu gestalten, dass Menschen sich verstanden fühlen – unabhängig davon, in welchem Raum sie sich gerade befinden. “Es geht nicht darum, Menschen in Schubladen zu stecken”, so Perl. Stattdessen sollte das Modell als Denkwerkzeug, das Reflexion ermöglicht und Orientierung gibt – ohne starre Etiketten – verstanden werden.
Veränderung ist nicht nur ein organisatorischer, sondern vor allem ein kommunikativer Prozess. Wer versteht, wie Menschen hören – so sprechen sie auch – und wie sie sich in Veränderungssituationen bewegen, kann Brücken bauen, Missverständnisse auflösen und echte Verbindung schaffen.
Foto von Brett Jordan auf Unsplash