Ich höre was, was du nicht meinst – Kommunikation in Zeiten von Veränderung

Veränderung ist selten einfach. Sie fordert uns heraus, zwingt uns, bekannte Muster zu verlassen, und löst ganz unterschiedliche Reaktionen aus. Doch warum erleben Menschen denselben Veränderungsprozess so verschieden? Und weshalb führen gut gemeinte Botschaften in der Kommunikation manchmal zu Missverständnissen statt zu Klarheit? Zu diesem Thema sprach Miriam Wagner Long mit Alexandra Perl (Stullengold – stullengold | Alexandra Perl | Facilitator, Listening Trainer, Coach) bei den jüngsten Leadership Insights.

Vier Zuhörpräferenzen – vier Blickwinkel auf die Situation

Für Alexandra Perl sind die vier unterschiedlichen Zuhörpräferenzen zentral. Denn wie wir Informationen aufnehmen, beeinflusst maßgeblich, wie wir Veränderungen wahrnehmen. Die vier Zuhörmuster sind:

  • Connective Listener – hören vor allem auf Emotionen, Beziehungen und das Zwischenmenschliche.
  • Reflective Listener – ziehen persönliche Erfahrungen heran und denken intensiv über innere Prozesse nach.
  • Analytical Listener – fokussieren auf Daten, Fakten und Logik.
  • Conceptual Listener – richten ihren Blick auf Visionen, Ideen und das große Ganze.

Diese Präferenzen (jeder Mensch hat mehr als nur eine, aber meist unterschiedlich ausgeprägt) sind keine starren Kategorien, sondern hilfreiche Filter. Sie zeigen, wie vielfältig Kommunikation interpretiert werden kann – und weshalb dieselbe Botschaft bei unterschiedlichen Menschen völlig verschiedene Reaktionen auslöst.

Das House of Change: Veränderung ist ein Raum, durch den wir wandern

Neben den Hörmustern ist auch das „House of Change“ nach Claes Janssen spannend. Dieses Modell beschreibt vier typische Phasen, die Menschen während einer Veränderung durchlaufen:

  1. Zufriedenheit – alles ist stabil, es besteht kein Leidensdruck.
  2. Ablehnung – Veränderungen erzeugen Widerstand oder Skepsis.
  3. Verwirrung – alte Sicherheiten brechen weg, Neues ist noch unklar.
  4. Erneuerung – neue Strukturen, Chancen und Wachstum entstehen.

Interessant wird das Modell in der Verbindung mit den Zuhörpräferenzen: Je nachdem, in welchem „Raum“ sich jemand befindet, spricht ein anderer Kommunikationsstil an. Wenn Führungskräfte diese verschiedenen Ebenen bewusst einbeziehen, lassen sich Unklarheiten, Konflikte oder Ablehnung (besser) vermeiden.

Ein flexibles Kommunikationsmodell: Menschen verstehen statt schubladisieren

Es ist immer wichtig, die verschiedenen Perspektiven bewusst zu verbinden. Ziel ist es, Kommunikation so zu gestalten, dass Menschen sich verstanden fühlen – unabhängig davon, in welchem Raum sie sich gerade befinden. “Es geht nicht darum, Menschen in Schubladen zu stecken”, so Perl. Stattdessen sollte das Modell als Denkwerkzeug, das Reflexion ermöglicht und Orientierung gibt – ohne starre Etiketten – verstanden werden.

Kommunikation als Schlüssel für gelingende Veränderung

Veränderung ist nicht nur ein organisatorischer, sondern vor allem ein kommunikativer Prozess. Wer versteht, wie Menschen hören – so sprechen sie auch – und wie sie sich in Veränderungssituationen bewegen, kann Brücken bauen, Missverständnisse auflösen und echte Verbindung schaffen.


Foto von Brett Jordan auf Unsplash